HSV in der Krise – Nimbus in Gefahr

Der HSV steht am Abgrund. „Zweite Liga, Hamburg ist dabei!“ – nichts beschreibt die Gefahr für den Hamburger Sport-Verein besser, als die hämischen Gesänge der Bayernfans während des Pokalspiels gegen den deutschen Rekordmeister, das die Hanseaten im heimischen Stadion mit 0:5 verloren. Die Tabelle zeigt, dass sich der HSV in akuter Abstiegsnot befindet. Der Gang in die Zweitklassigkeit würde die Hamburger härter als viele andere Klubs treffen. Erstens befinden sich die Hanseaten schon jetzt in Finanznöten und wollten eigentlich Geld durch Spielerverkäufe einsparen – auch nur eine Saison in der 2. Bundesliga bedeutet aber Millioneneinbußen. Zweitens würde das den Nimbus des Vereins zerstören. Denn der HSV ist der einzige Verein, der kontinuierlich in der 1. Bundesliga gespielt hat, worauf er der Spitzname Bundesliga-Dino bekommen hat. Dieser Rekord tröstete die Fans in den letzten, sportlich eher mageren Jahren über so manche Niederlage weg. Die derzeitige Krise ist auch deshalb so schwer zu lösen, weil sie vielschichtig ist.

Die Tabellensituation – trostlos

Mit sechzehn Punkten aus 20 Bundesligaspielen rangiert der HSV auf dem vorletzten Platz der Bundesligatabelle. Die Mannschaft verlor die letzten sechs Spiele in Folge. Mit Braunschweig rangiert zwar noch ein Klub hinter den Hanseaten. Doch die Eintracht sammelte in den letzten vier Spielen immerhin vier Punkte. Freiburg und Nürnberg – als Fünfzehnter und Sechzehnter der Tabelle direkte Konkurrenten des HSV im Abstiegskampf – befinden sich mit jeweils sieben Zählern aus den letzten vier Partien sogar regelrecht im Aufwind.

Die Abwehr – desaströs

Im Abstiegskampf ist oft eine starke Abwehr von besonderer Bedeutung. Aber genau hier schwächelt der HSV. Die Hanseaten kassierten mit 47 Gegentoren die meisten Gegentreffer in der Liga und satte vierzehn Gegentore in den letzten vier Pflichtspielen. Immer wieder werden die Gegner durch haarsträubende Fehlpässe regelrecht zum Toreschießen eingeladen. Die Verteidiger wirken teilweise überfordert und das Mittelfeld agiert oft in den entscheidenden Situationen zu deffensiv. Schwächungen bedeuteten zuletzt die Ausfälle in der Defensive. So musste der Trainer beispielsweise verletzungsbedingt lange auf Torhüter Adler und die Verteidiger Diekmeier und Westermann verzichten.

Der Sturm – harmlos

In keinem der vier Pflichtspiele im Jahr 2014 konnte der HSV bisher einen Treffer erzielen. Ausgerechnet der junge Pierre-Michael Lasogga sorgte bisher mit seinen neun Ligatoren dafür, dass der Angriff der Hanseaten kein kompletter Totalausfall ist. Doch auch das täuscht nicht darüber hinweg, dass sich der Hamburger Sport-Verein zu wenige Chancen erspielt und bei aussichtsreichen Kontern immer wieder ungenaue Pässe den Torerfolg verhindern.

Der Trainer – ratlos?

Für den niederländischen Trainer Bert van Marwijk hatte das Engagement bei den Hanseaten mit acht Punkten aus den ersten vier Spielen eigentlich gut angefangen. Doch schon bald kam der Absturz. Durch das häufige Pendeln zwischen seiner Heimat und seinem Arbeitsplatz sowie den angeblich zu seltenen Trainingseinheiten geriet er zuletzt auch in den Fokus des Boulevards. Dabei hinterließ der Vize-Weltmeister keinen souveränen Eindruck. Zunächst erklärte er, es sei wissenschaftlich erwiesen, dass ein Training am Tag ausreiche. Wenige Tage später verdonnerte er sein Team nach einer erneuten Niederlage dann doch zu Sonderschichten auf dem Trainingsplatz.

Die Gremien – groß

Der Hamburger-Sportverein leistet sich einen vierköpfigen Vorstand. Der Aufsichtsrat hat sogar elf Mitglieder. Die ungewöhnliche Größe dieser Gremien erschwert nicht nur die Entscheidungsfindung. Immer wieder kommt es vor allem im Aufsichtsrat zu Streitigkeiten. Das ist bekannt, weil in schöner Regelmäßigkeit Interna an die Öffentlichkeit dringen.

Macht´s Magath?

Felix Magath hat Interesse signalisiert, den Bundesliga-Dino retten zu wollen. Aus gewöhnlich gut unterrichteten Quellen war zuletzt zu hören, dem Ex-Spieler des HSV fehle nur noch eine Stimme aus dem Aufsichtsrat, um neuer Alleinherrscher bei den Hanseaten zu werden. Denn Magath dürfte dem Deal nur zustimmen, wenn er in einer Doppelfunktion als Trainer und Manager weitgehende Kompetenzen erhält. Zudem war er zuletzt bei anderen Klubs durch eine Vielzahl von – teilweise recht kostspieligen – Transfers aufgefallen. Wird Magath nächster HSV-Trainer, dürfte das den Hamburger SV massiv verändern.

Der Ausblick – schwierig

Wer auch immer bei der nächsten Bundesligapartie am 15. Februar als Trainer auf der HSV-Bank sitzt, hat ein entscheidendes Spiel vor sich. Denn Gegner ist ausgerechnet Eintracht Braunschweig und damit der einzige Verein, der derzeit noch in der Tabelle hinter den Hanseaten rangiert. Und wenn der HSV nicht einmal den Tabellenletzten schlagen kann, gegen wen sollen die Hamburger dann gewinnen? Vielleicht ist der HSV schon bald einen Schritt weiter. Das ist natürlich nicht ungefährlich, wenn man am Abgrund steht.

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